Buchhandlung Machwirth startet Aktion „Alzey sucht das Superbilderbuch“

Artikel aus der Allgemeinen Zeitung von Thomas Ehlke vom 24.03.2017

ALZEY - Ein schnarchender Otter namens Schubert ist einer der Stars in den bunt illustrierten Geschichten zwischen zwei Buchdeckeln. Er nimmt die Kinder mit in die Welt der Fantasie, wenn sie auf die Suche nach Alzeys schönstem Bilderbuch gehen. Zum zweiten Mal nach 2014 veranstaltet die Buchhandlung Machwirth am Roßmarkt diesen Wettbewerb, bei dem Jungen und Mädchen aus Kindertagesstätten der Volkerstadt den Praxistest machen.

Sechs Bücher wandern durch zehn Kitas

„Zehn Kitas haben ihr Interesse bekundet – und damit deutlich mehr als beim ersten Mal“, freut sich Buchhändlerin Susanne Arnold. Nach Ostern, wenn die Aktion „Alzey sucht das Superbilderbuch“ startet, wandern sechs Bilderbücher von Kita zu Kita. „Die Erzieherinnen arbeiten mit den Kindern die Bücher durch und machen anschließend eine interne Abstimmung“, erläutert Arnold das Prozedere und fügt hinzu: „Die drei Bücher, die in der Vorauswahl von allen beteiligten Kindern die meisten Stimmen erhalten, kommen dann ins Finale.“ Das findet am 25. Oktober im Infocenter der Volksbank statt.

Dort werden dann alle drei Bücher den Kindern nochmals vorgestellt, die danach bei der abschließenden Entscheidung für ihren ganz persönlichen Favoriten stimmen. Auf diese Weise wird dann das „Superbilderbuch“ ermittelt. „Das Ganze braucht einen gewissen Vorlauf, denn jede Kita hat die Bücher rund drei Wochen“, verdeutlicht Susanne Arnold.

Kollegen aus Hochheim brachten die Arnolds auf die Idee. Das Motiv, das hinter der Aktion steht, heißt Leseförderung. In einer Zeit, in der digitale Medien auch in den Kinderzimmern der Republik längst Einzug gehalten haben, sind dem Buch und der Tradition des Vorlesens ernste Konkurrenz erwachsen. „Um wirkungsvolle Impulse zu setzen, müssen wir ganz unten anfangen, damit die Kinder zum Buch kommen“, sagt Susanne Arnold. Deshalb sind die Kitas ein wichtiges Klientel, die auch gerne Gast in der Kinder- und Jugendbuchabteilung der Buchhandlung sind.

Die erfährt von den Stammkunden auch nach wie vor guten Zuspruch. „Allerdings merken wir schon, dass die Decke beim Absatz dünner wird“, skizziert die Händlerin die Situation. Wenn sie beim alljährlichen Vorlesewettbewerb in die Runde fragt, wer sich denn ein Buch zu Weihnachten oder zum Geburtstag wünsche bzw. bekommen habe, gehen weniger Finger in die Höhe als noch vor einigen Jahren.

„Manche Kinder sind durch den Umgang mit Smartphones und Tablets geprägt und wissen nicht, wie man mit Büchern umgeht“, berichtet Susanne Arnold aus eigener Erfahrung, dass diese Kinder etwa versuchten, beim Umblättern der Seiten zu „wischen“, wie sie es vom Display digitaler Medien gewohnt sind.

„Allen Kindern Lesekompetenz vermitteln“

Stichwort Vorlesewettbewerb. Hier mache sich schmerzlich die Auflösung des dreigliedrigen Schulsystems bemerkbar. Früher habe es eine eigene Kategorie für Hauptschüler gegeben. Diese Schüler treten nun in der gemeinsamen Kategorie Realschule/Gymnasium an und hätten hier meist das Nachsehen. „Das ist das falsche Signal, denn Leseschwächere brauchen ein Erfolgserlebnis, um einen Anreiz zu haben, sich weiter mit Büchern zu beschäftigen“, plädiert Susanne Arnold für die Änderung der Wettbewerbsbedingungen. „Es muss unter dem Strich darum gehen, allen Kindern Lesekompetenz zu vermitteln“, unterstreicht sie.

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