Das Haus der Frauen von Laetitia Colombani

Laetitia Colombanis Roman spielt auf zwei parallel erzählten Ebenen. Solène eine Anwältin, die ihr Leben nur ihrer Arbeit gewidmet hatte und unter der Trennung von ihrem Freund leidet, der nur eine unverbindliche Beziehung wollte, erleidet einen Zusammenbruch. Einer ihrer Mandanten begeht vor ihren Augen Selbstmord. Man diagnostiziert einen Burnout und nach einem Klinikaufenthalt wird sie mit Tabletten in ein nun sinnentleertes Leben entlassen. Sie erhält den Rat sich ehrenamtlich zu engagieren. Im Palast der Frauen wird eine Schreiberin gesucht. Ohne eine Idee, was sie erwarten könnte macht sie sich auf den Weg in dieses riesige Haus, das Frauen jeder Herkunft ein Obdach und ein Zuhause bietet. Nach anfänglicher Zurückhaltung bekommt sie die ersten Aufträge. Ein Beschwerdebrief wegen einem kleinen zu viel gezahlten Betrag macht den Anfang. Weitaus schwieriger ist der Brief an den Sohn einer jungen Mutter, die ihn zurücklassen musste bei der Flucht, um die eigene Tochter vor der Genitalverstümmelung zu schützen. Solène, die aus einer relativ heilen Welt kommt, wird mit der teilweise harten Lebenswirklichkeit der Frauen konfrontiert. Sie findet im Verlauf der Geschichte eine Heimat bei den Heimatlosen.

Alternierend wird die Biographie Blanche Peyrons erzählt, wie Solène sie recherchiert. Geboren 1867, wächst Blanche in Genf auf. Das Leid anderer Menschen empört sie schon als junges Mädchen und sie sucht eine Möglichkeit sich gegen soziale Ungerechtigkeiten einzusetzen. Sie tritt der neuen Bewegung der Heilsarmee bei. Im Laufe ihres Lebens steigt sie zusammen mit ihrem Mann bis an die Spitze der Organisation in Frankreich auf. In der Heilsarmee ist es durchaus üblich, dass Ehepaare zusammen Leitungsfunktionen ausüben. Angerührt vom Schicksal obdachloser Frauen und Mütter in Paris in den 20er Jahren entdeckt Blanche den zum Verkauf stehenden Palast der Frauen mit seinen über 600 Zimmern. Sie startet eine unglaubliche Spendenkampagne, geht dabei über ihre eigenen Kräfte und übergeht ihre eigene angeschlagene Gesundheit. Sie bekommt die Millionen für den Kauf und die Renovierung des Baus zusammen. Als Frau spürt man eine leichte Wut, da beim Recherchieren über die Geschichte des Baus nur ihr Mann namentlich genannt wird. Eine Frau konnte in dieser Zeit auch keinen derartigen Vertrag abschließen. Blanche Peyron hat es auf jeden Fall verdient, dass ihr ein Denkmal in diesem Roman gesetzt wird. Die Geschichte dieser beeindruckenden Frau und die fiktiven Geschichten der Protagonistinnen haben mich sehr angesprochen.

Colombani, Laetitia
Fischer, S. Verlag GmbH
ISBN/EAN: 9783103900033
20,00 € (inkl. MwSt.)