Die Telefonzelle am Ende der Welt

Die Telefonzelle am Ende der Welt gibt es wirklich. Sie steht in einem Garten an der Nordküste Japans. Der Besitzer des Gartens hat sie nach der Tsunami Katastrophe 2011aufgestellt als Zuflucht für Trauernde. Aus ganz Japan kommen Menschen, heben den Hörer in der Telefonzelle ab und sprechen mit ihren Verstorbenen. Der Garten und der Teeraum sind aber auch ein Treffpunkt für die Menschen, die mit ihrem Verlust kommen und ihre Trauer miteinander teilen.
Die Radiomoderatorin Yui, die durch den Tsunami ihre kleine Tochter und ihre Mutter verloren hat, macht sich auf den Weg zu der Telefonzelle. Dort lernt sie den Arzt Takeshi kennen, der seine Frau und Mutter seiner Tochter durch Krankheit verloren hat. Beide fühlen sich schnell verbunden. Da sie beide aus Tokio kommen, unternehmen sie die weite Fahrt in den Garten bald gemeinsam. Die Annäherung der beiden erfolgt langsam und behutsam, schließlich bringen beide ihre Geschichte mit. Immer treffen sie dort andere Menschen mit ihren Geschichten, die zu Freunden werden.
Das Buch verklärt nie und ist keineswegs seicht. Die Telefonzelle ist nur ein Angebot, ein Raum. Nicht für jeden passt es, die Tür der Telefonzelle zu öffnen. Yui findet eher Erleichterung in Spaziergängen durch den Garten.
Ich finde die Idee eines Ortes, an dem die Vorstellung einer Kontaktaufnahme gelebt werden kann und an dem Trauernde Begegnung erleben, hat einen Zauber. Gerne sollte es mehr dieser Orte geben.

Imai Messina, Laura
btb Verlag
ISBN/EAN: 9783442758968
20,00 € (inkl. MwSt.)